„Eine Gemeinde entwickelt sich nur, wenn sie bereit ist Chancen zu nutzen und Zukunft zu gestalten.“
Bürgermeister Benedikt Graf von Bentzel zur Entscheidung des Gemeinderats

Unser Standpunkt zur Entscheidung
Natürlich entwickelt sich eine Gemeinde nur, wenn sie Chancen erkennt und Zukunft gestaltet. Das bedeutet aber nicht, jedes förderfähige Projekt automatisch zu unterstützen. Es bedeutet, Chancen, Kosten, Risiken und Alternativen sorgfältig abzuwägen – gerade dann, wenn es um erhebliche öffentliche Mittel und langfristige Verpflichtungen geht.
Am 22.7.2026 haben wir nicht gegen die Entwicklung Heroldsbachs gestimmt. Wir haben gegen das Projekt „Grünes Band“ in der vorgelegten Form gestimmt. Das ist ein entscheidender Unterschied. Wer bei einem Projekt mit einem Gesamtvolumen von rund 1,4 Millionen Euro kritische Fragen stellt, verweigert nicht die Zukunft. Er nimmt seine Verantwortung für öffentliche Gelder ernst.
Gelebte Demokratie
Die Entscheidung fiel mit 10 zu 9 Stimmen denkbar knapp aus. Gegen das Projekt stimmten 10 Gemeinderatsmitglieder aus den Reihen der Grünen, der Freien Wähler und der Jungen Bürger. Die Abstimmung war damit nicht die Meinung einer einzelnen Fraktion. Sie zeigt vielmehr, dass gewählte Gemeinderatsmitglieder über Fraktionsgrenzen hinweg nach eigener Abwägung entschieden haben. Das ist keine erschwerte Zusammenarbeit, sondern gelebte Demokratie.
Verantwortungsvolles Wirtschaften
Das Projekt hatte ein Gesamtvolumen von rund 1,4 Millionen Euro, davon etwa 1,2 Millionen Euro Fördermittel. Auch Fördermittel sind Steuergelder. Sie sind nicht kostenlos, nur weil sie nicht aus dem Gemeindehaushalt stammen. Eine hohe Förderquote macht ein Projekt weder automatisch notwendig noch wirtschaftlich, ökologisch sinnvoll oder nachhaltig.
Sorgfältige Prüfung
Die Aufgabe des Gemeinderats besteht deshalb nicht darin, einem Förderprojekt durch eine positive Stimmabgabe lediglich „den Weg zu ebnen“. Seine Aufgabe ist es, zu prüfen, nachzufragen und verantwortlich zu entscheiden. Dazu gehört auch, einem Projekt nicht zuzustimmen, wenn wesentliche Fragen nicht überzeugend beantwortet werden.
Aus unserer Sicht betraf das insbesondere die tatsächlichen Investitions- und Folgekosten:
- Sind die angesetzten jährlichen Pflegekosten von rund 7.000 Euro realistisch?
- Welche zusätzlichen Aufgaben würden dauerhaft auf den gemeindlichen Bauhof zukommen?
- Wäre dafür zusätzliches Personal notwendig?
- Welche langfristigen Pacht-, Pflege- und Unterhaltsverpflichtungen übernimmt die Gemeinde?
Auch bei den ökologischen Auswirkungen blieben Fragen offen:
- Wie stehen die geplanten Wege und baulichen Eingriffe zum Natur- und Artenschutz?
- Wie ist der Hochwasserschutz in das Projekt eingebunden?
- Welche gesetzlich erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen wären notwendig, und wo sind deren Kosten berücksichtigt?
Die während der Beratungen angebotenen Änderungen an der Projektskizze konnten diese Bedenken nicht ausräumen.
Tragfähige Kompromisse
Ein Kompromiss ist nicht allein deshalb tragfähig, weil er als solcher bezeichnet wird. Er muss konkret, verbindlich, finanziell belastbar und später überprüfbar sein. Allgemeine Zusagen oder unverbindliche Absichtserklärungen reichen bei einem Projekt dieser Größenordnung nicht aus.
Die wiederholte Gegenüberstellung von vermeintlichen „Zukunftsgestaltern“ auf der einen und angeblichen „Bedenkenträgern“ auf der anderen Seite wird einer demokratischen Debatte nicht gerecht. Bedenken sind kein Zeichen von Stillstand. Sie sind ein notwendiger Bestandteil verantwortungsvoller Kommunalpolitik.
Wer ein Projekt nach intensiver Prüfung ablehnt, sagt nicht automatisch Nein zu Entwicklung, Naturschutz oder Naherholung. Die konkrete Planung wird abgelehnt, weil ihr Nutzen nicht überzeugt und die Eingriffe sowie langfristigen Belastungen zu schwer wiegen.
Transparente Entscheidungen
Bei einem Projekt dieser Größenordnung braucht es größtmögliche Transparenz. Bei der ersten Vorstellung des Projektes im März, sowie dem ersten Versuch das Projekt ganzheitlich durch den Gemeinderat zu bringen im Juni, wurden die Eigentumsverhältnisse nicht thematisiert.
Erst mit der Recherche der Eigentumsverhältnisse beim Amtsgericht und Nachfrage bei der kommunalen Aufsicht konnte erreicht werden, dass die persönliche Beteiligung des Bürgermeisters nach Bayerischer Geschäftsordnung als problematisch angesehen wird und Benedikt Bentzel weder an der Beratung noch an der Abstimmung bei der Sitzung im Juli teilnehmen sollte.
Wir erheben daraus keine persönlichen Vorwürfe. Aber wir erwarten, dass mögliche Interessenkonflikte, Eigentumsverhältnisse und Entscheidungsgrundlagen von Anfang an offen und nachvollziehbar dargestellt werden. Nur so entsteht Vertrauen.
Beteiligung in der Planung
Gemeinderat sowie Bürgerinnen und Bürger wurden aus unserer Sicht deutlich zu spät in die Planung einbezogen. Zwar lässt sich aus dem ISEK 2018/2019 der Wunsch der Bevölkerung ableiten, die Weiherkette zu erhalten und weiterhin zugänglich zu machen. Daraus folgt jedoch keinesfalls eine pauschale Zustimmung zu dem später vorgelegten Projektkonzept.
Die bereits 2022 erfolgte Projekteinreichung, die Förderperiode von 2023 bis 2027 sowie die Mitgliedschaft des Bürgermeisters im Entscheidungsgremium der FLAG hätten ausreichend Gelegenheit geboten, örtliche Akteure frühzeitig zu beteiligen – etwa den BUND Naturschutz, interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie weitere Eigentümerinnen und Eigentümer von Weihern.
Durch die späte Beteiligung konnten zentrale Widersprüche und offene Fragen nicht frühzeitig geklärt werden. Dazu gehören beispielsweise die behauptete CO₂-Reduktion und mögliche Konflikte mit dem Vogelschutz während der Brutzeit, einschließlich notwendiger Sperrungen einzelner Teilabschnitte.
Bis heute ist außerdem nicht nachvollziehbar, weshalb aus Sicht der Fördermittelgeber gerade der vergleichsweise kurze geplante Abschnitt als besonders schützenswerter Teil der Weiherkette im Hirtenbachtal zwischen Hausen und Zeckern bewertet wird.
Richtungsweisender Fortschritt
Unsere Ablehnung bedeutet ausdrücklich nicht, dass sich die Weiherlandschaft, die zu großen Teilen im Verwaltungsgebiet der Gemeinde Heroldsbach liegt, nicht weiterentwickeln darf. Wir sind offen für ein kleineres, naturnahes und finanziell tragfähiges Konzept: eines, das die traditionelle Karpfenwirtschaft stärkt, bestehende Naturflächen tatsächlich schützt, den Hochwasserschutz berücksichtigt und realistische Unterhaltskosten verursacht.
Die Gemeinde kann gemeinsam mit Eigentümern, Vereinen, Bürgerinnen und Bürgern sowie Fachleuten prüfen, wie die Weiher dauerhaft gepflegt und ökologisch aufgewertet werden können – ohne dass dafür zwangsläufig ein groß angelegtes Bauprojekt notwendig ist.
Zukunft entsteht nicht allein dadurch, dass möglichst viel Geld verbaut wird. Und nicht jede Bewegung ist automatisch Fortschritt. Wer kritisch prüft, bleibt nicht stehen. Er sorgt dafür, dass Heroldsbach sich in die richtige Richtung entwickelt.



